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Der Unbeugsame

«It Was Just an Accident» ist der erste Film, den der iranische RegisseurJafar Panahi nach einem langen Drehverbot realisiert hat. Holt er sich damit nach der Goldenen Palme nun auch einen Oscar?

Auf der riesigen Leinwand der Piazza Grande von Locarno war der Wuschelkopf des jungen Jafar Panahi in einem kurzen Einspieler zu sehen, wie er auf die Bühne stürmt und strahlend denGoldenen Leoparden entgegennimmt. Geehrt wurde er damals für seinen zweiten Film. Noch eindrücklicher sei es gewesen, sagt Jafar Panahi heute, als er zwei Jahre zuvor, also 1995 und somit vor genau dreissig Jahren, seinen allerersten Film auf dieser Piazza habe vorführen können. Es sei unvorstellbar, was es für einen jungen Filmemacher bedeute, sein Werk an diesem Ort vor einem so grossen Publikum zu zeigen.

Nun also stand der grosse iranische Regisseur im Sommer am diesjährigen Filmfestival in Locarno zum dritten Mal auf dieser Bühne, in weissem Anzug, ruhig und gesetzt, aber sichtlich gerührt hinter den dunklen Gläsern seiner Sonnenbrille. Es war die Schweizer Premiere seines Films «It Was Just an Accident», für den ihm Cate Blanchett und Juliette Binoche im Frühling in Cannes die Goldene Palme überreicht hatten. Den Goldenen Bären von Berlin und den Goldenen Löwen von Venedig bekam er bereits für frühere Filme. Damit hat er jetzt, neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen, alle Hauptpreise der drei grössten Festivals des Autorenfilms. Vor ihm haben das erst drei andere Regisseure geschafft.

Vor allem jedoch ist sein neuer Film der erste, den er gedreht hat, nachdem ein 2010 verhängtes zwanzigjähriges Berufsverbot überraschend vorzeitig aufgehoben worden war. Und es ist der erste Film nach seiner zweiten Inhaftierung.

Von Haft handelt auch «It Was Just an Accident», genauer von der Zeit danach: Ein Familienvater hat einen Unfall mit dem Auto und landet mit seiner schwangeren Frau und seiner kleinen Tochter vor der Werkstätte eines Arbeiters. Dieser glaubt im schleppenden Gang des Mannes den Folterer zu erkennen, der ihn im Gefängnis misshandelt hat. Er kidnappt den Mann und will sich an ihm rächen, doch dann zögert er: Im Gefängnis hat er den Mann nie gesehen, weil ihm die Augen verbunden waren. Kann er sich sicher sein, dass er den richtigen Mann erwischt hat?

Vor der Premiere auf der Piazza Grande sitzt Jafar Panahi in einem heruntergekühlten Raum seines Hotels in Locarno und gibt ein Interview nach dem anderen. Er spricht langsam und überlegt, Satz für Satz, druckreif und präzise, was die Übersetzerin fliegend von Farsi ins Englische überträgt.

Die Idee zu dem Film sei ihm gekommen, wenige Monate nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war. Als er über seine Mitinsassen und die Geschichten, die er von ihnen gehört hatte, nachgedacht habe, erzählt er. Auf einer anderen Ebene handelt der Film aber auch grundsätzlich von der iranischen Gesellschaft und von einer möglichen Zukunft nach dem Ende derIslamischen Republik.

Der Arbeiter Vahid (Vahid Mobasseri), der seinen früheren mutmasslichen Folterer Eghbal (Ebrahim Azizi) kidnappt, trommelt nach und nach eine kleine Truppe von Leuten zusammen, die ihre je eigenen Erfahrungen in der Haft gemacht haben, aus unterschiedlichen sozialen Gruppen stammen und auch unterschiedlich mit der Vergangenheit umgehen.

Aufruf zu Versöhnung

«Ein Regime, das fünfzig Jahre an der Macht war, ist sehr geschickt darin, die Menschen gegeneinander aufzubringen», sagt Panahi. In seiner Dankesrede in Cannes forderte er die Menschen auf, zusammenzufinden, ihre Differenzen beiseitezulegen und nicht zuzulassen, dass das Regime sie spalte. Sein neuer Film sei ein Film, wie man ihn normalerweise drehen würde, nachdem ein Regime gestürzt ist, sagt er. Ihm jedoch sei es wichtig, zum jetzigen Zeitpunkt die Frage bei seinen Zuschauern zu verwurzeln, wie sie sich in der Zukunft verhalten und miteinanderumgehen wollen.

Eine entscheidende Rolle spielt in dem Film ein kleines Mädchen, das gleich in der ersten Einstellung zu sehen ist. Nilufar (Delmaz Najafi) ist die Tochter von Eghbal. Klug und kritisch korrigiert sie ihre Eltern und widerspricht: Gott habe nichts damit zu tun, dass bei dem Unfall ein Hund umgekommen sei, der Vater habe ihn getötet. Daneben gibt es zwei weitere Kinder: Nilufars künftiger Bruder, der erst noch zur Welt kommen wird. Und das Baby von Vahids Schwester, für das dieser die Ausstattungsgeschenke zur Geburt zusammenstellt. Sie stehen im Film für die Hoffnung, dass sie in eine bessere Welt hineingeboren werden und den Wandel vorantreiben.

Und dann ist da noch die Fotografin Shiva (Maryam Afshari), die sich entschieden gegen Gewalt ausspricht. Sie schafft es als Einzige, Konflikte zu lösen, und bringt die Dynamik in der Gruppe voran. Shiva tritt ohne Kopftuch auf, nur als sie in eine Apotheke geht, wirft sie sich aus Respekt für den Ladenbesitzer ein Kopftuch über.

Shiva und die heranwachsende Generation spiegeln die heutige Gesellschaft im Iran. Man habe gesehen, wie stark die Frauen waren und wie sie Tabus ignoriert haben, sagt Panahi. Obwohl das Regime versucht hat, einen härteren Zugriff auf sie zu bekommen, hätten sie rote Linien überschritten und täten das noch immer. «Es gibt keinen Weg zurück», sagt er. Nicht alle, aber immer mehr Frauen würden das Kopftuch nicht mehr tragen. Das Bild in den Strassen hat sich seit der Befreiungsbewegung Jin, Jiyan, Azadî – Frau, Leben, Freiheit – völlig verändert. Nicht nur in den grossen Städten, sondern auch in Ortschaften, in denen alle einander kennen.

Mit dem Fokus auf Shiva, Nilufar und den Kindern der künftigen Generation knüpft Panahi an seine frühen Filme an, die das Leben von Frauen ins Zentrum rückten. Das kritische Denken komme in fast all seinen früheren Filmen immer von einer Frau, sagt er. In seinem ersten Film «The White Balloon» (1995), den er vor dreissig Jahren auf der Piazza gezeigt hat, versucht ein Mädchen gegen alle Widerstände vor dem iranischen Fest des neuen Jahres einen Goldfisch zu erhalten. In «The Mirror» von 1997, mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet, konfrontiert ein Mädchen gewitzt denRegisseur und will aus der Fiktion aussteigen. «The Circle» aus dem Jahr 2000, für den er denGoldenen Löwen bekam, ist ein düsterer, formal kunstvoller Reigen über die Einschränkungen, die Frauen unter der Islamischen Republik auferlegt werden, und in «Offside» von 2006 wollen Frauen ein Fussballspiel schauen. Die letzten beiden Filme, wie auch «Crimson Gold» (2003), dürfen offiziell im Iran nicht gezeigt werden.

Neue Wege trotz Repression

Jafar Panahi wurde 1960 geboren. Er stammt aus einer Arbeiterfamilie und wuchs mit vier Schwestern und zwei Brüdern in einem armen Umfeld auf. Schon früh arbeitete er nach derSchule, um sich im Kino Filme anzuschauen. Er studierte Film, machte Dokumentationen fürs Fernsehen und arbeitete als Assistent für Abbas Kiarostami, den Grossmeister der vorangehendenGeneration des iranischen Kinos. Mit Kiarostami schrieb er das Drehbuch zu «The White Balloon». Und Kiarostami verfasste auf der Grundlage eines realen Falls auch das Drehbuch zu Panahis «Crimson Gold» über einen verarmten Pizzalieferanten, der in einen Juwelierladen einbricht.

2009 gab es in Panahis Karriere einen Bruch. Bei einer Gedenkfeier im Kontext der damaligen Grünen Revolution wurde er ein erstes Mal festgenommen. Im Jahr darauf wurde er erneut gefasst und verbrachte 86 Tage im Gefängnis. Das Regime legte ihm das Film-, Reise- und Interviewverbot auf und drohte mit einer sechsjährigen Haftstrafe. Im Hausarrest drehte Panahi «This Is Not a Film» (2011), den er den iranischen Filmschaffenden widmete. Der Film wurde nach Frankreich geschmuggelt und in Cannes gezeigt, im selben Jahr stand er auf der Shortlist für den besten Dokumentarfilm bei den Oscars.

In dieser wegweisenden Dokumentation reizt Panahi die ihm vom Regime auferlegten Restriktionen maximal aus. Er lässt sich selbst zu Hause von einem Kollegen filmen, wie er in seiner Wohnung ein Drehbuch nachstellt. Der Film wird zu einer Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen des Filmemachens. Eingeflochten sind Sequenzen aus seinen früheren Werken, die er auf einem Bildschirm abspielt, ein Telefonat mit seiner Anwältin, Shots aus der Wohnung heraus von Demonstrationen oder eine lange Einstellung über einen Studenten, der den Müll aus denWohnungen entsorgt, um sich sein Studium zu finanzieren. «This Is Not a Film» sei damals auch sehr kritisch aufgefasst worden, erzählt Panahi. Aber er habe zeigen können, dass es unmöglich ist, einen Filmemacher zu stoppen.

«Als Filmemacher hat man eine doppelte Verpflichtung: einerseits gegenüber sich selbst als Künstler, andererseits gegenüber der Zukunft des Kinos», sagt Jafar Panahi. Ihm sei es gelungen, einen neuen Weg zu öffnen. «Darauf bin ich stolz.»

Panahi drehte während des Verbots heimlich vier weitere Filme, in denen er die Auflagen auslotet und ad absurdum führt. Sie alle zeigen ihn selbst in unterschiedlichen Konstellationen. Für «No Bears» (2022) reiste er in ein Dorf an der Grenze. Aus einer gemieteten Wohnung heraus dirigiert er Dreharbeiten in der benachbarten Türkei über ein Paar, das aus dem Iran fliehen will. Vor Ort im Dorf drückt er seinem Vermieter eine Kamera in die Hand und lässt ihn ein traditionelles Hochzeitsritual filmen. Die archaische Gesellschaft mit ihren Zwängen spiegelt dabei die Geschichte des fiktiven Drehs und die Zwänge des Regimes. «Taxi Teheran» (2015), mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet, zeigt ihn als Taxifahrer, der durch Teheran fährt, aufgenommen von einer fix montierten Kamera auf dem Armaturenbrett. Mit seinen wechselnden Gästen und ihren Problemen nimmt eine ganze Reihe von Widersprüchlichkeiten der iranischen Gesellschaft auf derHinterbank des Autos Platz.

Zuletzt steigt seine kleine, vorwitzige Nichte in das Taxi ein – wieder ein kleines Mädchen. Die Nichte hat in der Schule die Aufgabe erhalten, einen Film zu drehen, und liest aus dem Reglement vor, was gemäss offiziellen Weisungen gezeigt werden darf. Derweil filmt sie aus dem Fenster heraus die Strasse. Ein Junge läuft ihr vor die Kamera. Er hebt ein Geldstück auf, das ein Brautpaar auf den Boden hat fallen lassen, was seinerseits gefilmt wird. Die grossartige Einstellung mit demBild im Bild veranschaulicht Panahis Verständnis von Filmemachen. Sie ist als typisch iranische Form eines Neuen Realismus in die Geschichte eingegangen.

Filmschaffenden wie Panahi wird häufig vorgeworfen, sie würden ihr Land in ein schlechtes Licht rücken, wenn sie die realen Probleme der Menschen zeigen. «Im Totalitarismus sollen die Dinge anders dargestellt werden, als sie tatsächlich sind», sagt Panahi.

Er mache soziale Filme, sagt er. Dabei drehe er so nahe an der Realität, dass das Publikum verunsichert werde, ob es jetzt einen Spielfilm oder doch einen Dokumentarfilm sieht. «Das Publikum soll sich immer fragen, wo die Fiktion, wo die Realität liegt, und sich dabei der dünnen Linie zwischen den beiden bewusst sein.» Mit dieser Mischung wollte er schon in seinen ganz frühen Filmen die iranische Gesellschaft zeigen, wie sie ist.

Realität und Fiktion vermischen sich auch in seinem jüngsten Film «It Was Just an Accident», zum Beispiel wenn die Figuren von ihren brutalen Erlebnissen im Gefängnis erzählen. Wie viele von Panahis Werken überrascht der Film aber auch mit seiner Leichtigkeit und mit immer wiederaufblitzendem Humor. Zuweilen wähnt man sich fast in einer Komödie. Das erstaunt angesichts des schweren Themas und der persönlichen Leidensgeschichte des Regisseurs.

«Es ist einfach ein wichtiger Teil meiner Kultur», erklärt Panahi, der Humor fliesse fast unbewusst in die Geschichte ein und mache den Film realistischer. Wenn man im Iran auf den Basar gehe oder in einem Laden mit den Menschen ins Gespräch komme, würden sie innert Kürze anfangen, Witze zu erzählen. Das sei typisch: «Wir lachen zusammen und weinen zusammen, das ist unsere Art, unsere Gefühle zu teilen.»

Kino als Katharsis

Gänzlich ohne Humor ist eine sehr lange Einstellung gegen Ende von «It Was Just an Accident»: Da ist der mutmassliche Folterer Eghbal an einen Baum gebunden. Zum ersten Mal erhält er das Wort, zuvor war er die meiste Zeit im Innern einer Kiste. Die Einstellung dauert dreizehn Minuten. Dabei zeigt die Kamera Eghbals Gesicht in Grossaufnahme – er ist die einzige Figur, die von einem professionellen Schauspieler dargestellt wird. Es ist eine kathartische Szene, in der Eghbal seine Schuld und damit im erweiterten Sinn auch die Schuld des Regimes eingesteht. Sie gibt denZuschauerinnen die Gelegenheit, sich ein Stück weit von ihren eigenen Traumata zu befreien.

Denn darum geht es in dem Film: Eghbal ist selbst ein Verletzter. Er hat im Syrienkrieg gedient und dort ein Bein verloren, das durch ein Holzbein ersetzt wurde, daher sein schleppender Gang. DerZyklus der Gewalt soll durchbrochen werden. Das wird früh im Film ein Thema, wenn Vahid sich zunächst an einen Intellektuellen in einer Buchhandlung wendet, der ihm einschärft: «Wir sind keine Mörder. Wir sind nicht wie sie.»

Es zieht sich zudem in der Filmsprache durch, die immer auch auf metaphorischer Ebene zu lesen ist: Da ist das Gebell der wilden Hunde, das Krächzen von Raben oder das paradiesische Zwitschern der Vögel. Überhaupt spielen Hunde, die mal überfahren werden, mal zögerlich die Strasse queren, mal direkt das Publikum anschauen, eine symbolische Rolle. Ebenso ein Baum, der mal als toter Ast zu sehen ist, mal als kräftiger Stamm mit voller Krone.

Jafar Panahi glaubt daran, dass Versöhnung möglich ist. Auf der Piazza Grande erzählte er, wie bei dem israelischen Angriff auf Teheran im Juni dieses Jahres eine Rakete in das berüchtigte Evin-Gefängnis einschlug und Gefangene fliehen konnten. Auch der Trakt, in dem sich Gefängniswärter und Folterer aufhielten, wurde getroffen. Die Gefangenen seien ihnen zu Hilfe geeilt, statt sich in Sicherheit zu bringen.

Eine tiefe Menschlichkeit zeichnet Panahi und seine Werke aus. Trotz der harten Restriktionen zeugen fast alle seine Filme zudem von einer wohlwollenden Freundlichkeit, die sich auch im Gespräch mitteilt. Dabei äussert sich Panahi nicht nur in seinem jüngsten Film und im Gespräch erstaunlich politisch, obwohl er nach wie vor im Iran lebt. Allerdings war er seit Cannes nur zweimal zu Hause in Teheran. Er ist pausenlos auf Tour, reist von Festival zu Festival um die ganze Welt und stellt seinen Film vor, der von einer französischen Produktionsfirma koproduziert wurde und nun mit guten Chancen für Frankreich im Rennen um die Oscars ist.

Seit Jahren ersucht Jafar Panahi zusammen mit Freunden das islamische Regime, sich einem Referendum zu stellen. Er unterzeichnete gemeinsam mit seinem Kollegen Mohammad Rasoulof in der französischen Zeitung «Le Monde» einen offenen Brief, in dem er die israelischen Angriffe dieses Jahres kritisiert, aber auch das Regime im Iran auffordert, nicht weiter Uran anzureichern und zurückzutreten. 

Auf seinem Instagram-Account äussert er sich ebenfalls kritisch. Ende Juli hat er dort festgehalten, wie der Filmemacher Ali Ahmadzadeh festgenommen wurde, der vor zwei Jahren in Locarno denGoldenen Leoparden für «Critical Zone» gewann. Und 2022 protestierte er vor dem Gefängnis im Iran gegen die Festnahme von Mohammad Rasoulof. Dafür wurde er zum zweiten Mal inhaftiert. Die beiden Filmemacher fanden sich hinter Mauern wieder und teilten sechs Monate eine Zelle.

«Das ist kein Mut, es ist einfach Aufrichtigkeit», sagt Panahi, im Grunde sei er ein ängstlicher Mensch. Andere Leute würden sich viel kritischer äussern und sich langen und gefährlichen Hungerstreiks aussetzen, ohne dass jemand davon erfahre. Die internationale Meinung hat Einfluss. Seine Bekanntheit bringe für ihn einen gewissen Schutz, aber auch Verantwortung mit sich, sagt er. Auch hier lotet Jafar Panahi wieder die Grenzen aus.

Es war eine schöne Geste, hat Locarno dieses Jahr auch Mohammad Rasoulof eingeladen, der im Vorjahr seinen Film auf der Piazza gezeigt hatte. Zur Premiere von «It Was Just an Accident» kam Rasoulof zu Panahi auf die Bühne. Die beiden trafen sich erstmals seit der gemeinsamen Haft wieder. Rasoulof erzählte, wie Panahi in der Zelle mit acht bis elf Mitinsassen seiner betagten Mutter am Telefon vorspielte, er würde in einem abgelegenen Gebiet einen Film drehen, damit sie sich keine Sorgen machte. Und wie die Mutter sie schliesslich, als die Proteste von Jin, Jiyan, Azadî losbrachen, aufforderte, noch länger zu drehen, damit ihr Sohn nicht nach Teheran käme und sich unter die Protestierenden mischt.

Schutz möchte Jafar Panahi auch anderen gewähren. Er widmete seinen Film und die Vorführung in Locarno allen Menschen, die hinter Gittern sind. Darunter ganz besonders dem Mitautor seines Drehbuchs, Mehdi Mahmoudian, der im August noch in Haft war und einen Grossteil seines Lebens im Gefängnis verbracht hat. Und er widmet den Film der Bewegung Jin, Jiyan, Azadî.

Jafar Panahi (Regie und Drehbuch): «It Was Just an Accident». Mit Vahid Mobasseri, Maryam Afshari, Ebrahim Azizi u. a. Kinostart Deutschschweiz: 30. Oktober, 102 Minuten.

Publiziert auf republik.ch, 29. Oktober 2025

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